Das Gasthaus zum roten Schlauch

Ich muss gar nix! Schon gar nicht diese Kolumne schreiben, aber wer fragt mich den schon? Aber, diesmal für die Neugierigen da draussen eine kleine Episode aus Wolfartsweier, einem Ort in Karlsruhe. Es ist wirklich so: Karlsruhe ist nicht in Bezirke aufgeteilt, sondern in Orte! Als Berliner fällt mir dazu auch nichts mehr ein... Doch! Tut es doch, nähme man das neue Berlin-Mitte (den Bezirk) und verdoppelte seine Fläche, dann wäre Kleiner Tiergarten ein Ort. Irgendwie ist Karlsruhe für mich noch immer merkwürdig, egal.

Also, wolfartsweierer Episode: Vor nicht allzu langer Zeit an einem Freitag-Feierabend fuhr mich eine Kollegin netterweise mit dem Auto nach hause. Dort angekommen sah ich meinen Vermieter, wie er am Haus zu werke ging. Ich habe ja schon einmal meinen Vermieter erwähnt, der so seine Meinung über die Schwaben hat. Dieser, mein Vermieter, baut nun schon im fünften Jahr in Folge sein Haus. (Welches ich unter anderem auch selbst bewohne.) Seit etwa zwei Monaten sind die letzten Arbeiten am Haus selbst fertig gestellt. Daher verlagerten sich vor kurzem die Arbeiten auf das Terrain rund um das Haus, dessen Vorgärten zwar angelegt aber nicht begrünt sind. An jenem Freitag führte eine dieser Tätigkeiten zu meiner Bekanntschaft mit dem Gasthaus Zum roten Schlauch.

Das Spektakel, das sich mir - just am Haus angekommen - darbot, war auch nicht von schlechten Eltern. Mein Vermieter baggert in einem ziemlich fetten Radlader, mit einer Bereifung die problemlos jeder Grundschulklasse auf einen Schlag den Garaus machen könnte, seinen persönlichen Berg weg. Okay, Berg ist etwas übertrieben, aber ein mannshoher Erdhaufen der zwei Garageneinfahrten blockiert, füllt ohne Probleme 15 Laster.

Ein Verwandter meines Vermieters war unterdessen mit der Schaufel zu werke und buddelte das an das Haus grenzende Material lose. Dieser musste irgendwann los und so beschloss ich einfach mal die Schaufel selbst in die Hand zu nehmen. Es dauerte auch nicht lange, da war der Berg auch kein Berg mehr, sondern nur ein weiterer Meilenstein der Hausbau Dynastie.

Doch wo war die ganze Erde hingegangen? Nun, ein Teil des badischen Schnecken-Schleim-Schlamms wurde für die Bereitung der Vorgärten verwendet. Eigentlich zu vernachlässigen. Der große Teil, also die 17 Laster wurden Ladung für Ladung auf ein Feld in Wolfartsweier namens Ponderosa geschafft. (Kein Witz: Ponderosa!)

Der ganze Vorgang lief bis dahin ziemlich geschmeidig, ein bisschen Erde lockern, baggern, Laster fährt ab. Allerdings machte eine Besonderheit des badischen Schnecken-Schleim-Schlamms es erforderlich, dass auf der Ponderosa noch etwas nachgearbeitet werden musste. Gesagt, getan. Ich bin mit dem Fahrrad vorraus zum Feld und mein Vermieter kam mit dem Radlader hinterher. Nachdem wir ein paar Minuten lang besprochen haben, wie wir vorgehen wollten (die 21 Lasterladungen waren wieder auf einem Haufen), fiel mir auf dem Feldweg zur Ponderosa ein mittelgroßer Löschzug der Feuerwehr auf. Ich fragte noch meinen Vermieter, ob wir irgendwie aufgefallen seien, aber er reagierte nicht. Der Löschzug hielt vor der Ponderosa, ich war etwas erstaunt. Die zwei Feuerwehrleute, die offensichtlich zur Freiwilligen Feuerwehr gehörten, begrüßten meinen Vermieter und er stellte mich den Herren vor.

Es stellte sich heraus, dass einer der Feuerwehrleute schon ungefähr eine ähnliche Menge Schleim-Lehm-Schlamm auf die Ponderosa geschafft hat. Die Aufgabe lag zumindest klar auf der Hand: Alten und neuen Schlamm-Schleim-Lehm zu einer ebenen Fläche verbaggern. Mit so viel Man-Brainpower war auch das weitere Vorgehen in der Sache Ponderosa klare Sache: Mein Vermieter baggerte einfach ein paar Male über den Acker, sodass die zwei Feuerleute und ich nur zusehen brauchten.

Aber ein echter Löschzug ist kein echter Löschzug, wenn er keine 2500 Liter Löschwasser und - vor allem - zwei Kisten Flensburger Pils auf Lager hat.

Später am Abend dann, bei ein paar Alkopops einer Karlsruher Privatbrauerei, kam der Vater von meinem Vermieter vorbei und kommentierte meine Erzählung von der Freiwilligen Feuerwehr mit einem wissenden Grinsen und meinte: "Ah, das Gasthaus Zum roten Schlauch."

Und in der nächsten Folge von B/ka: A proper explanation to 'Being fucked proper' (aka bien jodido)